Verpackungsindustrie steht vor neuen Herausforderungen im Umgang mit VOC-Emissionen
In einem exklusiven Interview hob Anoosheh Oskouian, CEO von Ship & Shore Environmental, die sich wandelnde Landschaft des Managements von VOC-Emissionen im Verpackungssektor hervor. Zunehmende behördliche Kontrolle, Kundenanforderungen und steigende Energiekosten zwingen Hersteller dazu, Emissionskontrolle als kritischen betrieblichen Schwerpunkt zu priorisieren.
Oskouian identifizierte drei Schlüsselfaktoren, die diesen Wandel vorantreiben: verstärkte regulatorische Aufmerksamkeit für Emissionen in der Lieferkette, verbesserte Durchsetzungsfähigkeiten und die wirtschaftlichen Auswirkungen der Energiepreise. Da große Verbrauchermarken Transparenz in Bezug auf Produktionsemissionen verlangen, stehen Verpackungsveredler unter dem Druck, ihre Nachhaltigkeitspraktiken zu verbessern.
Investitionen in Emissionskontrolltechnologie werden nicht mehr als optionale Ausgabe, sondern als betriebliche Notwendigkeit angesehen. Oskouian betonte, dass moderne regenerative thermische Oxidationsanlagen (RTOs) Zerstörungswirkungsgrade von über 99 % erreichen und durch Energierückgewinnung die Betriebskosten erheblich senken können. Dieser Ansatz stellt nicht nur die Einhaltung sicher, sondern bietet auch erhebliche langfristige Einsparungen.
Auch das Missverständnis, dass Compliance die Produktivität beeinträchtigt, wurde angesprochen. Oskouian stellte fest, dass effektives Emissionsmanagement häufig Ineffizienzen in Produktionsprozessen aufdeckt, was zu erhöhter Durchsatzleistung und reduzierten Energiekosten führt.
Während Innovationen bei wasserbasierten und energiehärtenden Druckfarben entstehen, bleiben lösemittelbasierte Systeme aufgrund ihrer überlegenen Leistung im Hochgeschwindigkeits-Flexodruck dominant. Oskouian ist der Ansicht, dass die Zukunft in intelligenteren Technologien zur Abscheidung und Behandlung von Emissionen liegt, die mit den fortlaufenden Fortschritten in der Druckchemie koexistieren können.
Da die Energiepreise weiter steigen, werden RTOs und Wärmerückgewinnungssysteme für Hersteller, die ihre Betriebskosten senken und zugleich strengere Umweltstandards erfüllen wollen, immer unverzichtbarer. Oskouian wies darauf hin, dass gut ausgelegte Systeme eine hohe thermische Energierückgewinnung erreichen und so die gesamten Energiekosten wirksam minimieren können.
Die Verpackungsindustrie wird sowohl als führend im Bewusstsein als auch als rückständig in der Integration im Vergleich zu anderen Sektoren wie der Automobil- und Halbleiterfertigung angesehen. Oskouian plädiert für einen kulturellen Wandel in Verpackungsbetrieben, damit Emissionskontrolle als zentrale betriebliche Funktion und nicht nur als Compliance-Pflicht behandelt wird.
Mit Blick auf die Zukunft erwartet Oskouian eine regulatorische Verschiebung hin zu kontinuierlicher Emissionsüberwachung entlang des gesamten Fertigungsprozesses. Er rät Herstellern, Messkapazitäten proaktiv in ihre Betriebe zu integrieren, um künftigen Compliance-Anforderungen zuvorzukommen.
Abschließend empfiehlt Oskouian mittelgroßen Verpackungsherstellern, gründliche Emissions- und Energieaudits durchzuführen, in skalierbare Abscheidesysteme zu investieren, den Fokus auf Energierückgewinnung zu legen und ihre Umwelt-Datenfähigkeiten zu verbessern, um im sich wandelnden Umfeld wettbewerbsfähig und konform zu bleiben.
